Ein Geburtstag bedeutet immer viel Spaß und Vorfreude auf ein aufregendes Wochenende. Ein doppelter Geburtstag hingegen bedeutet Angst und Schrecken vor unvorhersehbaren Ereignissen. Einen doppelten Geburtstag kann man planen, aber nicht diktieren, er schreibt seine eigenen Gesetze. Und so verspürte man Samstagnachmittag bereits erste Nervositäten. Man war aufgeregt und hatte das Gefühl, nicht gut genug vorbereitet zu sein.

Das gemütliche Vorglühen in der Bar, mit Lagerfeuer Dauerschleife untermauert, verlief ohne Probleme. Es wurde gelacht, geschäkert, Herzlichkeiten ausgetauscht und exotische Getränke geschlürft. Der angepriesene Boxkampf des Jahrhunderts zwischen einem muskelbepackten Topathleten und dem sich für den Winterschlaf satt gegessenen Übergewichtsweltmeister verlief, wie erwartet, äußerst spannend. Wer möchte schon einen aggressiven Schlagabtausch sehen, wenn man eine von Taktik geprägte Glanzvorstellung über die volle Distanz bestaunen kann.

Man nutzte die Pause des Kampfes (Runde 2-11) um die Geschenke zu verteilen. Die Geschenke waren durchdacht und lieb und an künftige Aktivitäten geknüpft und genau das sind die schönsten Geschenke. Zeit mit Freundin oder Freunden oder beiden, das macht glücklich. Voller Glück und Freude bestellten die beiden Geburtstagskinder das Premiumangebot im Spindler & Klatt. Barbesitzer und Vitamin-B Spender, Sercan, entpuppte sich erneut als Schlüssel zu unermesslichem Luxus mit Vorzugspreis.

Der Weg zur Party wurde in drei Grüppchen absolviert. Voller Dekadenz fuhr man mit Auto, Taxi und Taxialternative, SilviUV, wobei Letzterer noch nicht mit Wasserstoff betrieben wird und wir dadurch unseren biologischen Fußabdruck immens vergrößert haben. Asche über unser Haupt! Taxifahrer Ahmad bewies Geduld und Zielstrebigkeit und brachte uns sicher ans Ziel. Bezahlt wurde er mit Internetgeld.

Den ersten Schock des Abends erfuhr man am Einlass des Clubs. Rechnerisch vom Türsteher nachgewiesen, erreichte man nicht die vorgeschriebene Frauenquote von 50%. Auch das Argument, man habe einen Tisch reserviert und wolle für viel Umsatz sorgen, reichte nicht. Wir verfluchten unsere Männlichkeit. Doch diese Schmach machte den folgenden Auftritt nur noch furioser.

Ein Anruf an Sercan und zwei Minuten später kam ein adrett gekleideter Mann (Ironie!), musterte uns und befahl, ihn im Entengang in den Club zu folgen. Eine absolute Machtdemonstration! Die Türsteher und die in der Kälte wartenden Gäste schauten uns verachtend an. So fühlt man sich also, wenn man zu den 1 % des Landes gehört. Unsere Uhren glänzten und wir würdigten den restlichen 99 % keines Blickes. Wir haben einen Tisch, WIR SIND WAS BESSERES!

Der höhergelegene Tisch mit umliegender Couch war sein Geld absolut wert und die dazugehörige Getränkeauswahl angemessen. Einige Gäste trauten sich an uns heran mit der Erwartung einen Schluck unseres Erfolges kosten zu können. Lennox und Brise wussten, wie man diese Schmarotzer gekonnt aber höflich los wird. Wer glaubt, hübsch sein reicht im Leben, der irrt. Generell irritierten Lennox und Brise mit brisanten Tanzeinlagen und Gehässigkeiten. Sie erfüllten die Menge mit Freude und Scham.

Als auch noch Sercan höchst selbst erschien, brachen alle Stämme. Das Zappeln wurde immer wilder, die Gespräche tiefgründiger und das Fußvolk nahm Abstand. Eine zunehmende Leere erfüllte den Raum und auch für uns war es Zeit zu gehen. Den Heimweg hat man weitestgehend aus dem Gedächtnis gelöscht, aber er war sicher sehr amüsant. Um 5 Uhr morgens wurde noch eine Tiefkühlpizza verspeist und das 30ste Mal wiederholt, wie sehr man seine Freundin liebt. Der wahre Romantiker erscheint immer in Form eines Betrunkenen. Die erste Auswertung des Abends erfolgte noch vor dem Schlafen gehen in einer Video-Telefon-Konferenz. Dieser Abend gilt als großer Erfolg und ist noch immer in den Knochen zu spüren. Er war nicht nur von Dekadenz geprägt, sondern vor allem von inniger Freundschaft. Jeder leistete seinen Beitrag und glänzte mit überdurchschnittlicher Leistung in sämtlichen Bereichen.

Vielen Dank an alle Anwesenden für den grandiosen Abend!

Kategorien: Berlin

2 Kommentare

QumBar · Dezember 9, 2019 um 6:21 pm

Theodor Hass · Dezember 10, 2019 um 10:43 am

Guten Morgen und erst einmal vielen Dank für diesen bereichernden Beitrag.

Man muss sagen, dass der Ruf dieser Pankower Jungs vorauseilt. In den letzten Wochen habe ich bereits mehrfach und aus dem Nichts von ihnen gehört. Diesbezüglich war ich mehr als begeistert und auf gut Deutsch „völlig aus dem Häuschen“, als ich diese brutal sowie aber auch elegenat anmutende Gruppe das erste Mal mit eigenen Augen sah! Ich kann es bis jetzt noch nicht ganz in Worte fassen.
Es war ein Fest, diesen zurückhaltenden und immer freundlich wirkenden Menschen beim feiern zuzusehen. Der Klub lebte von ihnen und die darin ebenfalls enthaltenden „Statisten“ ebenso. Jede Situation und damit meine ich beispielsweise unerwünschte Eindringlinge, welche es auf die Spirituose der Slut-Gang-Member abgesehen haben, oder gar einen abrupten Musikstilwechsel, wurden mit einer überaus dezent dekadenten Art gemeistert, so dass es zum einen oder anderen Zeitpunkt heftigst in meinem Unterhöschen bebte und mich zurückhalten musste nicht einfach in die Lounge der Dazugehörigen zu springen!
Das Sozialwesen blieb ebenfalls nicht auf der Strecke! So wurden zum Beispiel von Mama und Papa im SilviUV zum Klub gefahrene Business Law Studenten aus dem fernen Zehlendorf des öfteren zurechtgewiesen und deren „lustige Weihnachtsbekleidung“ auf schonenste Art von deren grauenhaften Anmutungen entfernt und an bedürftige oversized Swaetshirt tragende sowie sich in der Selbsfindungsphase befindenden Personen weitergereicht. Dadurch stiegen die Sluts of Berln für mich persönlich in den Olymp auf!
Als zum Schluss fast alle Getränke ausnahmslos vernichtet waren, wovon nicht ausgegangen werden konnte da es sich um mehrere Barell hochprozentigen Antriebsstoff handelte, kam einer der Member (mit aufregender Frisur, versteckt unter einem Cap) auf die Idee, die glorreiche Nacht (verglichen mit einem CL-Sieg) mit dem Anheben der versilberten Sauf-Meister-Schale zum absoluten und höchst überlegenden Triumph über alle Klub-Untertanen zu kühren! Wäre nur genügen Platz auf der Stage gewesen, hätten sich alle nicht in der Lounge befunden Raver auf die Knie geschmissen und den Pulk auf ihren Gliedmaßen bejubelt. Frauen zogen sich bereits ihre Unterwäsche aus, um vor allem den unnachahmichen Tänzer „All Black Lenny Lennox“ sowie dessen merhjährigen Kumpanen „Tingel Tangel Brise“ damit zu bewerfen und absolute Unterwürfigkeit zu demonstrieren.
Jedoch konnten die durchaus abgeklärten Tänzer darauf verzichten und konzentrierten sich bereits auf ihre nächste gute Tat. Ein verletzter E-Roller wurde vor dem Klub-Eingang gefunden, geborgen und sofort zur nächsten E-Roller-Sammelstelle befördert. Das nenn ich Zivilkurasche!

Ich hoffe, diese Menschen bald auch einmal persönlich kennenlernen zu dürfen und verbleibe mit feuchtem Schritt und best regards.

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