Seit Wochen gehen tausende Pflegekräfte auf die Straßen und demonstrieren, nicht für bessere Arbeitsbedingungen oder einen angemessenen Lohn, sondern für eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Das Hauptthema der Protestbewegung: Home Office.

Hintergrund der Demonstrationen ist die Verhaftung des 45-jährigen Krankenpflegers, Erik Mineur. Der Deutsch-Franzose hat gegen seine Arbeitsrichtlinien gehandelt und befindet sich nun in U-Haft. Die Demonstranten halten Erik für einen Pionier und sehen seine Aktionen keinesfalls als Straftat, sondern als ihr gutes Recht als Arbeitnehmer*innen im Gesundheitswesen.

Angefangen hat alles mit einer vermeintlich harmlosen Aktion. Mit den Worten „Das wird eng heute, da muss ich wohl Arbeit mit nach Hause nehmen.“ und „Inge, pack deine Sachen!“ beschreibt Erik den ersten Vorfall. Als er feststellte, dass er einerseits Zeit spare und gleichzeitig mehr Zeit für die Pflegebedürftigen hat, beschloss der Berliner es nicht bei einer Einmalaktion zu belassen. Von den Arbeitsrichtlinien und Vorschriften will er nichts gewusst haben.

Nachdem sich Mineur mehr als vier Wochen nicht auf seiner Station blicken ließ und sieben Pflegebedürftige verschwunden  waren, wurde sein Vorgesetzter stutzig. Ein Besuch in seiner Wohnung bestätigte den Verdacht, Erik Mineur betreibt Home Office. Genutzt habe er vor allem das Wohnzimmer, das Bad, den Flur und die Küche seiner 1-Zimmer-Wohnung. Er besorgte Betten, Medikamente und sonstige Hilfsmittel. Natürlich auf Kosten der Firma, so der 45-jährige.

Die Demonstranten fordern die Freilassung des Revolutionärs und die Gleichbehandlung unterschiedlicher Berufszweige. Privilegien für Büroangestellte seien unbegründet und nicht mehr zeitgemäß, so der Leitspruch der Bewegung. Die nächste Demonstration findet kommenden Dienstag statt, jedoch nicht auf der Straße, sondern von zu Hause aus.

Der Prozess gegen Mineur startet am 1. November, ihm drohen 150 Jahre Haft.

Danke an das Rechercheteam Len Knoxville und Steve McLovin.

Kategorien: Berlin

1 Kommentar

Uli Hoeneß · Dezember 16, 2019 um 6:46 pm

Anstatt zu demonstrieren sollten Sie lieber alle keine Steuern mehr bezahlen!

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