Da staunten die Vertreter der Durstexpress GmbH nicht schlecht als am Montagabend das Ergebnis des monatelangen Rechtsstreits verkündet wurde. Eine anfangs als skurril belächelte Klage gegen den Lieferdienst kam vor Gericht tatsächlich durch. Der Kläger, ein 72-jähriger Berliner, kann sich nun über einen hohen Entschädigungsbetrag freuen. Doch was war eigentlich passiert?

Max Xylophon geht es wie vielen älteren Menschen in Berlin. Mit jungen Jahren zog er in eine schöne Altbauwohnung in den vierten Stock. Nun ist er 72 Jahre alt und hat zunehmend Schwierigkeiten mit dem Treppen steigen. In eine andere Wohnung in die unteren Etagen ziehen kommt für Max nicht in Frage, diesen Luxus kann er sich nicht leisten.

Glücklicherweise hat Max Xylophon zwei Enkel, die ihm ein Tablet einrichteten, damit der Berliner seine Einkäufe nach Hause liefern lassen kann. Zwei Monate Schulung und viel Geduld und Max könnte seine erste Bestellung abgeben. Er entschied sich für Durstexpress. Die Freude über den Erfolg hielt nicht lange an. Als Max das Paket öffnete, kam der erste Schock, nur Getränke, kein Essen, nicht mal ein kleiner Snack. Der Berliner hielt das für ein Versehen und bestellte ein zweites Mal, dieses Mal mit dem ausdrücklichen Vermerk, er würde gerne speisen und dinieren. Doch auch im zweiten Paket gab es neben Sprudelwasser ohne Sprudel und Rotkäppchen nur Leere. Verzweiflung und Todesängste verfolgen den 72-jährigen seither. Max verstehe die Welt nicht mehr, er habe Hunger und die Wohnung voller Getränke und niemand von Durstexpress helfe ihm.

Ein Mittschnitt eines Telefonates diente dem Richter als Hauptbeweisstück. Es war eines von vielen:

Max (M): Sir bitte! Ich möchte gerne etwas essen.

Durstexpress Mitarbeiter (DM): Herr Xylophon, wir liefern kein Essen, Sie können bei uns nur Getränke ordern.

M: Aber ich habe Hunger, keinen Durst. Seit 10 Tagen bin ich nur am Trinken, verstehen Sie nicht, dass ein Mensch auch Nahrung zu sich nehmen muss?

DM: Da sind Sie bei uns falsch, Ihr Essen müssen Sie woanders bestellen.

M: Werden Sie nicht frech junger Mann! Ich habe es bei Hungerexpress probiert, aber die antworten nicht. Ich möchte bitte zwei Brötchen und Marmelade für mein Frühstück morgen. Und ihre Tagessuppe.

DM: Sir, wenn Sie nichts zu trinken bestellen möchten, kann ich Ihnen nicht helfen.

M: Wollen Sie mein Geld etwa nicht? Was sind Sie denn für ein Geschäftsmann?! Geben Sie mir Ihren Vorgesetzten, Herrn Express!

DM: Herr Xylophon bitte verstehen Sie, dass wir kein Essen liefern. Ich kann Ihnen gerne einen Gutschein von Lieferando zukommen lassen.

M: Ich möchte keinen Gutschein, ich möchte doch nur essen, was mache ich denn falsch?

Dieses Telefonat dauerte drei Stunden, drei Stunden in denen Durstexpress Max Xylophon hätte Essen liefern können.

Richter Brise verkündete das Urteil wie folgt:

„Jetzt ist Ruhe! Durstexpress hat missverständlich gehandelt und die fehlenden Computer Kompetenzen des Herrn Xylophons auf Kosten dessen Gesundheit ausgenutzt. Ich befinde Sie hiermit für schuldig. Aufgrund des Tatbestandes spreche ich mich für eine faire Bestrafung aus. Lebenslänglich 50 % auf alle Bestellungen bei Durstexpress für Herrn Xylophon.“

Max freute sich sehr übe das Urteil, zu Essen bekam er allerdings immer noch nichts.


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