Es ist Freitag und ich gehe mit meiner Freundin im hiesigen Kaufhof shoppen. Ich brauche ein neues Hemd für die anstehende Hochzeit einer guten Freundin meiner Freundin. Wir betreten den Laden und der Türsteher öffnet uns die Tür. Er mustert mich und ich fühle mich direkt kriminell. Ich hoffe wir kaufen Etwas, denn wenn ich ohne Einkauf den Laden verlasse, mache ich mich verdächtig.

Wir fahren in den letzten Stock, da die Herrenabteilung wie immer ganz oben ist. Die Etage ist riesig und ich fühle mich jetzt schon überfordert. Nach wenigen Sekunden hat uns die erste Verkäuferin entdeckt.

„Darf ich behilflich sein?“ fragt sie.

„Nein wir gucken uns nur um.“ sage ich schnell, aber meine Freundin hat andere Pläne.

„Sie dürfen uns gerne helfen.“ sagt sie.

„Sehr gut, wonach suchen sie denn?“ fragt sie.

„Ein Hemd?“ frage ich nervös.

„Ist das eine Frage oder eine Antwort?“ sagt die Verkäuferin lächelnd.

„Eine Antwort?“ frage ich.

Die Verkäuferin lacht und nennt mich einen Witzbold. Ich schmunzle zurückhaltend und greife nach der Hand meiner Freundin. Wir folgen ihr in das Hemdenabteil. Jetzt wo wir im richtigen Abteil sind, hoffe ich, die Verkäuferin geht wieder. Sie bleibt.

„Welche Farbe soll das Hemd denn haben?“ fragt sie.

Ich schaue rüber zu meiner Freundin.

„Es soll weiß sein. Für eine Hochzeit.“ antwortet sie für mich.

„Und welche Größe haben Sie?“ fragt sie mich.

„M.“ antworte ich.

„Und Ihre Armlänge?“ fragt sie.

„M.“ antworte ich erneut.

„Sie kaufen wohl nicht sehr häufig Hemden was?“ fragt sie lachend. „Ich such mal ein paar für Sie raus.“

Ich bin verwirrt. Hat die Verkäuferin grad mit mir geflirtet? Direkt neben meiner Freundin? Ich hoffe, sie ist nicht sauer, ich möchte doch bloß ein schönes Hemd. Die Verkäuferin kommt mit drei Hemden zurück und präsentiert sie mir voller Stolz. Die Hemden sind weiß und sehen alle gleich aus.

„Danke, aber ich brauche nur eins. Ich nehme das Mittlere.“ sage ich.

„Wollen Sie die nicht erstmal anprobieren?“ fragt sie.

„Ja ok.“ sage ich.

Das erste Hemd sitzt gut und gefällt mir auch. Das zweite Hemd sieht genauso aus, wie das Erste. Das Dritte auch. Es ist weiß. Die Verkäuferin und meine Freundin beraten sich und diskutieren über die drei Möglichkeiten. Ich stehe da wie ein Dummy und höre zu.

Nach einer gefühlten Ewigkeit fällt die Wahl schließlich auf das zweite Hemd. Das Hemd was ich schon am Anfang wollte.

Als nächstes brauche ich eine Fliege. Auch hierbei hilft uns die nette Verkäuferin.

„Die Fliege sollte in etwa der Farbe der Hose entsprechen, in Ihrem Fall also ein dunkles blau.“ sagt sie.

Wir gehen einen Schritt weiter und suchen uns durch einen Stapel voller Fliegen und Krawatten. Nach zehn Minuten und vier Anproben haben wir die Richtige.

„Sehr schön, die passt bestimmt gut zu deinem roséfarbenen Kleid.“ sage ich zu meiner Freundin. Ein schwerwiegender Fehler.

„Oh Sie haben nicht gesagt, Ihre Freundin trägt rosé. Dann würde ich Ihnen dringend eine roséfarbene Fliege empfehlen.“ sagt die Verkäuferin.

Nach weiteren drei Anproben entscheiden wir uns für eine rote. Mit „wir“ meine ich die Verkäuferin und meine Freundin. Mit „rot“ meine ich einen speziellen, roten Farbton, den ich nicht von gewöhnlichem rot unterscheiden kann.

Ich schaue mich im Spiegel an und fühle mich gut, auch meiner Freundin gefällt der Anblick. Die Verkäuferin packt Ihre Verkäuferfähigkeiten aus.

„Sehr schick, aber Ihre Schnürsenkel sind dunkelblau und Ihre Hose graublau, das passt nicht so ganz.“ sagt sie.

Meine Freundin geht direkt drauf ein und wir folgen der netten Dame ins nächste Abteil. Wir finden keine passenden Schnürsenkel, dafür aber Socken mit der gleichen Farbe meiner neuen Fliege.

Wir bedanken uns bei der Verkäuferin und sie wünscht uns einen schönen Tag. Wir gehen zur Kasse und bezahlen das Hemd. Beim Verlassen des Ladens schaut uns der Türsteher kritisch an. Ich fühle mich verdächtig.

Kategorien: Berlin

1 Kommentar

Anonyme Elfe · August 15, 2019 um 1:51 pm

Ich nehme doch das grüne Kleid. Können wir noch umtauschen?

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