Giko und ich sind im Supermarkt und bereiten uns auf den Erholungsurlaub am Helenesee vor. Auf dem Einkaufszettel stehen Snacks für Zwischendurch, Kirsch, Wasserbälle und Dosenbier. Die Snacks und Bälle sind schnell gefunden. Da wir uns nicht entscheiden können, nehmen wir gleich vier Bälle in unterschiedlichen Farben und Größen mit. Der Einkaufswagen ist fast voll. Die Leute rätseln über die Kombination aus Kinderbällen und zwei dutzend Flaschen Kirsch. Ich packe einen Beutel Äpfel ein, da mir eine ausgewogene Ernährung wichtig ist.

Der zweite Einkaufswagen ist für unsere Zwischenmahlzeiten reserviert, dem Dosenbier. Giko und ich packen vier Paletten ein und fühlen uns gut vorbereitet. Da Johannes kein Auto hat, übernehmen wir auch seinen Einkauf.

„Was will er denn haben?“ frage ich Giko.

„Kirsch natürlich und er wollte entweder das 5,0 Original oder gutes Bier im Angebot.“ antwortet Giko.

Das 5,0 Original ist schon ausverkauft und gutes Bier im Angebot gibt es nicht. Wir stehen vor dem Regal und grübeln. Das gute Bier ohne Angebot kostet 80 Cent.

„Bisschen viel oder?“ sagt Giko.

„Ich weiß nicht. Als privater Fitnesscoach mit Master-Abschluss verdient er nicht so viel oder?“ frage ich naiv.

Wir schauen uns nochmal um und finden eine Alternative. Das gute Stephans Bräu. Die Dose kostet nur 29 Cent und auch das Design ist ansprechend.

„Ach das wird schon schmecken, pack ein.“ sagt Giko und wir beladen den Einkaufswagen mit zwei weiteren Paletten. Wir gehen zur Kasse.

Die Kassiererin schaut uns kritisch an und wünscht uns ein paar schöne Wochen Urlaub. Wir antworten, dass es sich nur um ein Erholungswochenende handelt. Sie schaut in den Wagen, rechnet und schaut uns noch kritischer an. Wir laufen zum Auto und füllen den Kirsch in Plastikflaschen, so wie es der Festivalveranstalter verlangt.

„Johannes wird sich bestimmt freuen.“ sagt Giko strahlend.

1 Tag später

„Ihr habt was gekauft!?“ Johannes ist sichtlich schockiert. „Stephans Bräu? Was ist das denn?“

„Na du wolltest doch gutes und billiges Bier.“ sage ich.

„Aber das ist nur billig. Ihr habt 30 Dosen gekauft und ohne Pfand nur 8,70 € bezahlt? Wie soll das denn gehen?“ fragt Johannes.

„Ich kann dir gerne eine Kostenrechnung erstellen und den Break-Even-Point ermitteln.“ antworte ich mit gefährlichem Wirtschafts-Halbwissen.

Wir kommen auf dem Festivalgelände an und parken das Auto. Die Fahrt war lang und mühsam und wir trinken unser erstes Dosenbier.

„Bier schmeckt doch eh immer gleich, zeig mal her.“ sagt Giko.

Er nimmt eine Dose. Auch ich nehme eine Dose. Es schmeckt furchtbar.

„Gar nicht übel.“ sage ich.

„Willst du mich verarschen, das ist widerlich.“ sagt Johannes, trinkt die Dose aus und nimmt sich eine Zweite. Wir laden unsere Sachen aus dem Auto und laufen Richtung Zeltplatz. Wir brauchen über eine halbe Stunde und Johannes quält sich eine dritte Dose rein. Völlig erschöpft kommen wir bei unseren Zeltkollegen an. Zum Glück haben sie alles schon einen Tag vorher aufgebaut und auch eine Kühltruhe dabei. Johannes sprintet zur Kühltruhe und greift nach einem Bier. Er wird kreidebleich.

„Stephans Bräu Export?“ flüstert er.

„Ist vielleicht nicht das Beste, aber gekühlt schmeckt doch jedes Bier.“ sagt Zeltkollege Tom.

Das Bier ist kalt und schmeckt furchtbar. Johannes fängt an zu lachen. Das Bier erfüllt seinen Zweck und ist billig und genau darum geht es ja bei Festivalgetränken. Wir stoßen an und freuen uns auf das Wochenende. Die Äpfel liegen noch im Auto.


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