Es ist 7:00 Uhr. Viel zu spät für einen Festivalmorgen. Ich habe über drei Stunden geschlafen und fühle mich sehr erholt. Von draußen höre ich liebliche Töne. Die Stimmen klingen rau und heiser, aber trotzdem leidenschaftlich. Johannes und Obelix sind schon wach und besprechen die Tagespläne.

„Guten Morgen!“ sage ich.

„Wolln wa ne Runde Skat kloppen?“ fragt Johannes.

„Gerne“ antworte ich.

Ich setze mich auf einen kaputten Stuhl. Obelix sitzt neben mir und sieht mich mit strahlenden Augen an. Wir schnacken etwas, spielen Karten und freuen uns über die Gesellschaft. Es ist sehr friedlich, man möchte fast meinen, es ist perfekt. Wir stimmen ein Lied an und werden im selben Moment von grässlichen Geräuschen aus der Ferne unterbrochen.

„Was ist das?“ frage ich.

Johannes und Obelix gucken schockiert, aber neugierig.

„Glaube, dass kommt aus der Monsterhöhle“ sagt Johannes.

Ich war vorher noch nie in der Monsterhöhle, selbst Obelix und Johannes, die seit Jahren auf diesem Festival präsent sind, waren noch nie dort.

„Wollen wir mal hingehen?“ frage ich.

„Ja, lass Glatzköpfe analysieren.“ sagt Johannes.

Die Geräusche werden lauter, je nähe wir kommen. Wir zucken jedes Mal zusammen, so als würden wir uns im nächsten Moment verstecken. Ein immer wiederkehrender, dröhnender Bass. Vergeblich versuchen wir Melodie und Rhythmus heraus zu filtern. Die Töne werden immer grässlicher. Wir kommen an der Höhle an, schauen uns in die Augen und erkennen Angst. Obelix ist mutig und betritt die Höhle. Ich bin fassungslos und befürchte einen Rauswurf durch tätowierte, kahlrasierte, muskelbepackte Festivalmonster. Ich schaue Johannes mit ernster Miene an. Aus der Höhle hören wir ein lautes „Obelix“. Wir erwidern das Gebrüll mit einem warmen „Asterix“ und betreten das Schlachtfeld.

„Wo sind die Glatzköpfe?“ frage ich.

„Es gibt keine.“ sagt Obelix.

Ich bin verwundert und versuche zu tanzen, doch die Panzergeräusche wecken in mir kein Rhythmusgefühl. Wir fühlen uns als Außenseiter. Die professionellen Raver sind ausgestattet mit Handtuch. Sie sind uns überlegen. Wir flüchten.

Wir freuen uns über das gemeinsam erlebte Abenteuer und sind dennoch enttäuscht, keine Glatzköpfe gesehen zu haben. Wir gehen zurück zum Zeltlager und setzen uns hin. Die Stühle sind immer noch kaputt. Giko gesellt sich zu uns, die Sonne scheint und wir fühlen uns gut.

„Ne Runde Skat kloppen?“ fragt Johannes.

„Gerne“ antworte ich.

Es ist perfekt.

Kategorien: FestivalHosnobi

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