Ich sitze in der Bar und rauche eine Shisha. Max, Erik und Phil gesellen sich dazu und wir bestellen eine Runde Getränke.

„Gehen wir heute feiern?“ fragt Max.

„Klar, ist doch Wochenende.“ sagt Erik.

„Ok cool.“ sagt Max. Er klingt gelangweilt.

Wir sitzen rum und schauen durch die Gegend. Meine Rauchfrequenz nimmt zu, da ich nichts zu sagen habe. Phil räuspert sich.

„Man ich hab kein Bock mehr auf immer den gleichen Club und die gleiche Musik. Lass doch mal richtig auf die Kacke hauen und einen Tisch mit Flasche in einem Nobelclub bestellen.“ sagt er.

 „Weißt du was das kostet!? Ich gebe doch nicht hunderte Euro für sowas aus! erwidert Erik.

„Ach komm. Wenigstens ein Mal.“ sagt Phil frustriert.

Ich gebe Max meine Wasserpfeife, da er sich keine Eigene bestellen möchte. Außerdem habe ich etwas zu sagen.

„Freunde, ich habe einen Vorschlag. Schon mal was von der Casino Royal Strategie gehört?“ frage ich.

Sie starren mich mit großen Augen an und erwidern nichts. Die Casino Royal Strategie ist eine von mir und einem Ausbildungskumpel entwickelte Methode für Wochenendaktivitäten. Sie ist so genial, weil sie Spaß garantiert und man nicht verlieren kann.

„Nein? Das dachte ich mir. Hat einer von euch etwas gegen Casinos?“ frage ich in die Runde.

„Ich war mal spielsüchtig.“ sagt Phil leise.

„Also liebst du das Spielen. Perfekt!“ sage ich. „Hört gut zu. Als erstes kalkuliert jeder von uns was er an einem normalen Partyabend ausgeben würde, also in der Bar und im Club. Ich schätze mal so 80 Euro insgesamt oder? 30-40 Euro in der Bar, 10 Euro Einlass, 20-30 Euro im Club, 5 Euro für Essen, eventuell noch Taxigeld, so in etwa?“

Sie nicken.

„Diese 80 Euro pro Person, bei vier Leuten also insgesamt 320 Euro, entsprechen unserem Budget.“ fahre ich fort. „Das Geld würden wir ohnehin ausgeben, aber anstatt für Bar und Club nehmen wir es und gehen in ein Casino.“

Erik und Phil melden sich.

„Fragen erst nach der Präsentation, danke!“ sage ich.

„Wir gehen also in ein Casino und investieren das Geld in Automaten, Roulette, Poker oder sonst was. Jetzt kommt das Großartige an der ganzen Geschichte. Es gibt zwei Möglichkeiten wie der Casinobesuch endet. Erstens, wir verlieren das komplette Geld, welches wir aber so oder so ausgegeben hätten. Es ist also nicht wirklich ein Verlust und wir hatten ein paar Stunden Spaß im Casino, was ja auch abwechslungsreich und außergewöhnlich ist. Die zweite Möglichkeit, wir vervielfachen unseren Einsatz und können uns dadurch einen luxuriösen Club und teure Getränke leisten. Eine Win-Win-Situation.“ beende ich meinen Vortrag. Sie grübeln.

„Und was hat das Ganze mit James Bond zu tun?“ fragt Erik.

„Wie? Was meinst du?“ frage ich zurück.

„Na James Bond Casino Royal, der Film mit Daniel Craig.“ antwortet Erik verwundert.

„Noch nie von gehört.“ sage ich und dreh mich zu den Anderen.

„Ich bin ja ein eher kritischer Mensch“, fängt Phil an, „aber ich finde in diesem Plan keinerlei Schwachstellen. Ich bin dafür, packen wir es an!“

Auch Barinhaber Sercan, der uns belauscht hat, findet die Idee vielversprechend und schließt seine Bar um mitzukommen. Erik ist etwas skeptisch, unterliegt aber seinem Gruppenzwang.

Wir kommen am Casino an und schauen uns um. So viele Möglichkeiten Geld zu verdienen. Ich bin beeindruckt von der Kulisse.

„Ich fühle mich hier wie bei James Bond Skyfall.“ sage ich.

„Willst du mich verarschen?“ ruft Erik.

Während wir noch überlegen, was wir zuerst spielen, kommt Sercan bereits vom Roulette zurück.

„So fertig. Hab 200 Euro verloren. Naja passiert. Das Geld ist ja nicht weg, hat jetzt nur ein Anderer. Wir sehen uns in der Bar.“ sagt er und geht.

Wir gehen in die untere Etage und setzen uns an die Spielautomaten. Es gibt gefühlt 300 davon, weshalb die Wahl sehr schwer fällt. In dem Saal sitzen ungefähr 30 weitere Besucher. Sie alle unterscheiden sich nur gering. Man kann zwei unterschiedliche Spielertypen ausmachen. Der erste Spielertyp ist der etwas unseriöse, nicht allzu gepflegte, womöglich arbeitslose und nach Alkohol riechende Spielertyp. Er fällt mit ungeduldigem Spiel und Sprüchen wie: „Der Automat gibt nicht mehr!“ oder: „Ich habe den ganzen Tag in diesen Automaten gebuttert, bald wird er geben!“ auf. Der zweite Spielertyp ist der asiatisch aussehende, gut gekleidete und emotionslose Typ. Er fällt vor allem durch  hohe Einsätze auf. Nicht selten gewinnt dieser Spielertyp enorme Summen aufgrund des hohen Einsatzes. Freude ist allerdings nicht zu erkennen, höchstens ein kurzes Nicken.

Wir sitzen nebeneinander und spielen das gleiche Spiel. Nach zehn Minuten macht sich Druck und Stress bemerkbar.

„Verdammt ich hab jetzt schon fünf Euro verloren. Wenn das so weiter geht, verlier ich alles was ich besitze. Was soll ich denn machen?“ schreit Erik hysterisch.

Phil hingegen ist in seinem Element und spielt an drei Automaten gleichzeitig. Sein System ist undurchschaubar und ansprechen lässt er sich auch nicht mehr. Max schreit bei jedem Gewinn, auch wenn es sich nur um Centbeträge handelt. Bei jedem Nichtgewinn wechselt er den Automaten. Ich lasse mich nicht stören und tippe rhythmisch auf den Knopf. Freispiele!

„Yes Baby!“ rufe ich.

„Alter was hast du denn für ein Glück? Den Automaten wollte ich eigentlich nehmen.“ sagt Max vorwurfsvoll.

„Wir spielen in einem Team, vergessen? Das gewonnene Geld legen wir am Ende zusammen.“ erwidere ich.

Die Freispiele verlaufen mittelmäßig und ich gewinne 12,50 Euro. Bei 20 Cent Einsatz nicht verwunderlich, aber auch nicht berauschend. Dennoch ist unser Budget nach 20 Minuten von 320 Euro auf 240 Euro geschrumpft.

„Na gut, das ist ausbaufähig. Ich würde sagen, jeder von uns nimmt 50 Euro in die Hand und wir treffen uns in einer halben Stunde oben am Roulettetisch.“ sage ich und wir verteilen uns.

Nach einer halben Stunde gehe ich zu dem vereinbarten Treffpunkt. Erik und Max stehen schon da.

„Wo ist Phil?“ frage ich.

„Vergiss den. Der ist in seiner eigenen Welt. Hat bestimmt schon alles verloren.“ antwortet Erik.

Die ersten 50 Euro sind also verloren, genauso wie Phil. Auch Max hatte bereits nach zwei Minuten alles verspielt, wie er berichtet. Erik bekam, nach dem er weitere fünf Euro verloren hatte, Schweißausbrüche und hörte auf zu spielen, aus Angst sein Auto und seine Wohnung zu verlieren. Mein Einsatz ist auf 15 Euro geschrumpft.

„Also haben wir jetzt nur noch Eriks 45 Euro, meine 15 Euro und 40 Euro, die ich noch nicht verteilt hatte. Insgesamt also 100 Euro.“ sage ich. „Lass Roulette spielen gehen.“

„Rot oder Schwarz?“ fragt Max.

„Wir fragen am besten Steve.“ schlägt Erik vor.

Ich rufe Steve an. Nach drei Minuten Dauerklingeln geht er ran.

„Steve, rot oder schwarz?“ frage ich aufgeregt.

„Alles auf Rot!“ sagt Steve verträumt.

Wir setzen alles auf rot. Es kommt schwarz.

„Na Danke Steve, geh bloß wieder schlafen!“ sage ich wütend und lege auf.

Unser Budget ist verloren und wir waren nicht ein mal eine Stunde im Casino. Die Casino Royal Strategie ist gescheitert. Ich fühle mich furchtbar. Plötzlich taucht Phil auf.

„Und Männer, wie viel habt ihr gewonnen?“ fragt er. „Hab an zwei Automaten gespielt, dann auf Automatik gestellt und mich an einen Pokertisch gesetzt, drei Runden mitgespielt und 300 Euro Gewinn gemacht. Das Geld habe ich leider beim Roulette wieder verloren. Allerdings habe ich an einem der Automaten 450 Euro gewonnen. Dann wollte mir so ein Typ weismachen, er könne gleichzeitig einen einarmigen Handstand und seine Schuhe binden. Ich hab gesagt, dass ist völliger Blödsinn. Er konnte das tatsächlich und ich musste ihm die 450 Euro geben. Ach so und ich hab 50 Euro gefunden und beim Pferderennen eingesetzt. Mein Pferd hat gewonnen.“

„Und was hast du bekommen?“ fragt Erik.

„2000 Euro.“ sagt Phil trocken.

Wir jubeln laut und wild, gehen zur Kasse und lassen uns das Geld auszahlen. Die Nacht kann beginnen, es lebe die Casino Royal Strategie.

„Was machen wir zu erst?“ frage ich strahlend.

„Lass zurück ins Casino und das Geld verdreifachen. Ich hab ein gutes Gefühl.“ antwortet Phil. Seine Hände zittern.

Ich nehme ihm das Geld aus der Hand und wir gehen Richtung Straße.

„Ich kenn da eine ganz coole Bar. Rooftop mit Zigarre und Whiskey und so.“ schlägt Erik vor.

„Perfekt Erik! Dann los!“ sage ich und rufe ein Taxi.

Die Taxifahrt ist kurz und laut. Wir singen und unterhalten uns über die Wirtschaft und warum ETF´s sicherer als einzelne Aktien sind. Der Taxifahrer ist beeindruckt von unserem genuscheltem Halbwissen.  Wir geben ihm 50 Euro Trinkgeld und laufen zum Eingang der Bar.

Der Türsteher mustert uns, eine Gruppe junger, angetrunkener Männer die in eine Nobelbar wollen.

„Nicht euer Ernst oder?“ fragt er und zeigt auf den Ausgang.

Ich spüre, dass heute unser Abend ist, dass uns nichts aufhalten kann.

„Es gibt zwei Möglichkeiten für dich.“ fange ich an. „Erstens, du schickst uns weg und lebst mit den Konsequenzen. Zweitens, du nimmst dieses unbedeutende Stück Papier und kaufst deiner Tochter was Schönes.“ sage ich und gebe ihm einen Zwanziger.

„Woher weißt du von meiner Tochter?“ fragt er schockiert.

Ich schaue ihm tief in die Augen und setze eine ernste Miene auf. Ich habe keine Ahnung was ich antworten soll. Plötzlich öffnet er mir hastig die Tür und entschuldigt sich. Wir gehen an ihm vorbei Richtung Aufzug. Phil klopft ihm auf die Schulter, würdigt ihm aber keines Blickes.

Oben angekommen, schauen uns die Barkeeper und anderen Barbesucher ungläubig an. Sie tragen Anzüge, teure Uhren und ihre Schuhe glänzen wie die Kleider ihrer Damenbegleitungen, die wohl eher auf das Geld aus sind als auf die mit Wohlstandsbauch bestickten, älteren Männer.

„Was denn? Noch nie Startup Millionäre gesehen?“ brüllt Max schlagfertig.

„Was kann ich für Sie tun?“ fragt einer der Kellner.

„Wir hätten gern eine Flasche Whiskey für fünf bis sechshundert Euro. Egal welche, Hauptsache teuer. Und vier Zigarren.“ sage ich.

„Sind Sie sicher, dass sie sich das leisten können?“ fragt er nervös.

„Sehe ich so aus, als ob ich Späße mache?“ frage ich ihn vorwurfsvoll.

Ich gucke uns an und stelle fest, dass wir mit Jogginghosen, zerrissenen Jeans und ausgeleierten T-Shirts nicht der typischen Klientel dieser Bar entsprechen und beantworte meine Frage selbst. Der Kellner bringt uns die Flasche und eine Kiste mit Zigarren.

„Na dann, Prost Männer!“ sage ich und wir stoßen an.

Wir nippen an dem bernsteinfarbigen Whiskey, rauchen die Zigarren und genießen die Aussicht. Neben der Theke spielt ein adrett gekleideter Mann ein Stück auf einem Flügel. Der Klang ist himmlisch. Er spielt Beethoven, zumindest glaube ich das. Die Atmosphäre der Bar ist hinreißend. Es duftet nach Ebenholz. Es fühlt sich allem in allem einfach gut an.

Nach zehn Minuten ist uns langweilig.

„Von einem 500 Euro Whiskey habe ich mehr erwartet. Die Zigarre schmeckt auch nicht viel besser als meine Kippen.“ beschwert sich Phil.

„Wollen wir gehen?“ frage ich.

„Ja, aber die Flasche nehmen wir mit. Haben die ja schließlich schon bezahlt.“ antwortet Erik.

Wir nehmen die 500 Euro teure Flasche Whiskey in die Hand und verabschieden uns. Am Ausgang wartet der Türsteher und wünscht eine angenehme Nacht.

„Ich habe oben auf der Toilette einen reichen Russen belauscht. Hier in der Nähe gibt es wohl einen Privatclub.“ sagt Phil.

„Sehr gut, genau was wir brauchen.“ antworte ich euphorisch.

Phil versucht die Worte des alten Russen zu rekonstruieren und führt uns über Umwege zu einem Mehrfamilienhaus. Keine Anzeichen einer Party. Vor der Haustür steht ein Mann. Wir gehen zu ihm.

„Steht ihr auf der Gästeliste?“ fragt er.

„Weißt du nicht wer wir sind!?“ fragt Max arrogant.

„Es ist mir scheiß egal wer ihr seid! Ohne Einladung kommt…“ er stoppt. „Ist das eine Flasche Macallan in deiner Hand?“ fragt er mich verblüfft.

„Jup!“ antworte ich lässig.

„Und ihr lauft damit einfach so durch die Gegend? Woher habt ihr die Flasche?“ möchte er wissen.

„Gekauft, was sonst? Hier fang! Ich hab kein Bock mehr auf das Gesöff.“ sage ich und werfe ihm die halbvolle Flasche entgegen.

Er ist völlig perplex und wir nutzen die Gelegenheit uns an ihm vorbei zu drängen. Wir laufen die Treppen hoch und hören bereits erste Partygeräusche und spüren einen dröhnenden Bass. Vor dem Eingang erwartet uns eine junge Dame. Sie trägt knallroten Lippenstift und küsst uns nacheinander auf den Hals.

„Viel Spaß Jungs!“ sagt sie mit einem verführerischen Lächeln und öffnet uns die Tür.

Wir betreten die Party und stehen da wie vom Donner gerührt. Der Club ist eine riesige Altbauwohnung, komplett möbliert und mit vier Meter hohen Decken. Mittendrin unzählige Menschen, die Champagner trinken und Zigarre rauchen. Im Wohnzimmer, welches größer ist als manche 3-Raum Wohnung, legt ein DJ auf und die Leute tanzen in Ekstase. Die Damen sind allesamt jung und hübsch, die Männer etwas älter und mit Anzug gekleidet. Sie alle haben einen roten Kussmund auf dem Hals.

„Das ist wohl eine Art Einlassstempel.“ sagt Erik.

Wir hängen unsere Jacken an die Garderobe und gehen den Flur entlang Richtung Bar. Die Getränke sind kostenlos und wir bestellen vier Bier. Wir trinken die Biere aus und bestellen eine zweite Runde. Ein älterer Mann auf einem braunen Ledersessel winkt uns rüber.

„Guten Abend Männer! Ich habe euch noch nie hier gesehen. Bitte setzt euch.“ sagt er mit freundlicher Stimme.

Er macht einen äußerst eleganten Eindruck. Sein Anzug ist schlicht, aber stilvoll. Er hat graue Haare, sieht aber aus wie Anfang fünfzig. Er hat als Einziger keinen Kussmund auf seinem Hals.

„Teddy Johnson, mir gehört dieses kleine Apartment.“ sagt er und schüttelt uns nacheinander die Hände. „Erzählt mir von euch. Ihr macht einen symphytischen Eindruck.“

Erik schaltet schnell und stellt sich als Erster vor. Er passt sich der gehobenen Schicht an. Wir erkennen seinen Plan und tun ihm gleich.

„Sehr erfreut. Mein Name ist Erik, ich bin Geschäftsführer einer Krankenhauskette hier in Deutschland und Gründer eines europaweiten Pflegedienstleisters.“ sagt er.

„Angenehm Sir, ich bin Daniel. Finanzwissenschaftler und Informatiker. Ich habe eine Buchhaltungssoftware entwickelt und an Google verkauft.“ sage ich und schaue zu Phil.

„Phil mein Name, freut mich. Ich bin Gründer einer Onlinepoker Plattform und selbst auch ein ganz passabler Spieler.“ sagt Phil schnöselig und lacht wie ein alter Ölbaron.

„Hi ich bin Max. Ich bin reich.“ sagt Max als Letzter.

„Ihr seid ein interessanter Haufen sage ich euch. Das gefällt mir. Mit wem seid ihr hier, wer hat euch eingeladen?“ fragt Teddy neugierig.

„Uns hat niemand eingeladen. Wir machen einfach unser Ding.“ antworte ich ihm.

Teddy ist beeindruckt von unserem direkten Auftreten und unserer Ehrlichkeit. Er spendiert jedem von uns ein Glas von seinem persönlichen Whiskey, den er aus einem alten Globus holt. Erik, Phil und Max gehen auf die Toilette, ich warte bei Teddy.

„Ihr Jungs seid wirklich Klasse. Nicht so wie der Rest hier. Alles Arschkriecher und falsche Zungen. Davon habe ich zu Hause schon genug.“ sagt er und trinkt einen großen Schluck. „Wo ist eigentlich deine Rolex, Daniel. Du bist doch auch gut betucht oder nicht?“

„Oh naja, also ich hatte vorhin noch meine Daytona um, aber dann hab ich hier jemanden mit dem gleichen Modell gesehen und sie weg geschmissen.“ antworte ich nervös in dem Glauben entlarvt worden zu sein.

„Absolut verständlich. In meiner Jugend haben wir uns wegen solchen Vorfällen noch duelliert.“ sagt er ernst.

Der Mann ist höchstens 55. Ich verstehe nicht wovon er redet, nicke ihm aber zustimmend zu.

„Hier kannst die haben. Ist ein Einzelstück. Ich wollte sie eigentlich meinem Sohn schenken, aber der ist in Australien auf einer Selbstfindungsreise. Es ist sehr schwierig für mich an ihn heran zu kommen, auf emotionaler Ebene meine ich.“ sagt er und legt mir eine goldene Rolex in die Hand.

Ich nehme die Uhr dankend an und versuche ihm ein paar Tipps im Umgang mit Kindern zu geben und sage ihm, dass auch andere Eltern Probleme hätten und er nicht alleine ist. Er ist sehr dankbar für meine Worte, die ich von einem Buch, das neben mir auf einem Regal liegt, ablese. Erik, Phil und Max kommen zurück.

„Ihr wart aber lange unterwegs.“ sage ich verwundert.

„Ja sorry. Die Toilette war so groß, dass dort ein Billardtisch reingepasst hat. Wir haben ein paar Runden gegen irgendwelche Geschäftsleute gespielt und gewonnen.“ sagt Phil.

„Cool! Mit Einsatz?“ frage ich.

„Ja, haben einen Gefallen gewonnen. Die Männer sind grad mit ihrem Ferrari auf dem Weg zu Steve und Robin und bringen sie her.“ sagt Phil fröhlich.

30 Minuten später kommen die zwei Geschäftsleute mit Steve und Robin im Handgepäck zurück. Wir begrüßen sie herzlichst in unserer kleinen Runde und stellen sie Teddy vor. Steve ist noch schläfrig, Robin etwas aufgeregt. Ich frage mich, warum die beiden mitten in der Nacht ohne zu zögern in ein fremdes Auto steigen, welches vor ihrer Haustür steht. Allerdings war es ja nicht irgendein Auto, sondern ein Ferrari. Ich glaube, ich wäre auch eingestiegen.

„Schicke Plastikuhr Daniel.“ sagt Steve gehässig.

Wir schnacken noch etwas mit Teddy, raven im zweiten Wohnzimmer und reden mit einer Gruppe aus Süddeutschland über die schwere Last, reich geboren worden zu sein. Mittlerweile ist es 4 Uhr morgens und die Musik geht aus.

„So Freunde. Die Party ist vorbei. Es hat mich wirklich aus tiefstem Herzen gefreut euch kennengelernt zu haben. Ihr seid hier jederzeit willkommen.“ sagt Teddy und umarmt jeden Einzelnen von uns.

Wir verabschieden uns, nehmen ein Wegbier und verlassen den Club.

„Das war es dann wohl. Wird Zeit nach Hause zu fahren.“ sagt Erik müde.

„Klar!“ erwidere ich. „Das könnten wir machen. Oder wir nehmen unsere übrig gebliebenen 900 Euro und mieten uns die Präsidentensuite im Luxushotel um die Ecke.“ rufe ich und wir jubeln aus Freude, dass der Abend noch nicht vorbei ist.

Wir kommen am Hotel an und schicken Robin mit dem Geld vor, da er von uns der Nüchternste ist. Wir beobachten ein kurzes Wortgefecht zwischen ihm und dem Hotelier. Er kommt zurück.

„Wir haben ein Problem. Das Zimmer liegt zwar in unserem Budget, aber die meinen, wir sehen nicht vertrauensvoll aus und wollen eine Kaution in Höhe von 5000 Euro hinterlegt haben.“ sagt er geknickt.

„Das ist alles?“ frage ich hochnäsig. „Gib ihm die Uhr, das müsste reichen.“ sage ich und reiche ihm die goldene Rolex.

Der Hotelier prüft die Uhr und bestätigt deren Echtheit. Er ist fassungslos. Robin bekommt den Schlüssel und wir fahren ins oberste Geschoss des 30-stöckigen Hochhauses. Die Suite ist unvorstellbar schön. Die Wände sind komplett verglast und die Möbel aus feinem Mahagoniholz sind perfekt aufeinander abgestimmt. Jeder von uns hat sein eigenes Zimmer mit eigenem Bad. Wir setzen uns auf die Dachterrasse und beobachten den Sonnenaufgang.

„Ein schönes Abenteuer war das heute, Freunde. Könnte man fast verfilmen.“ sagt Phil.

„Ach was. So ein Abend hat doch jeder Berliner schon mal erlebt, war doch nichts besonderes.“ erwidert Max.

Wir sitzen noch eine Weile und genießen die Aussicht. Nacheinander gehen die Anderen zurück auf ihr Zimmer bis nur noch ich auf dem Dach bin. Das Abenteuer ist zu Ende. Ich lächle und freue mich auf das Nächste.

Kategorien: Berlin

3 Kommentare

Teddy Johnson · August 21, 2019 um 4:42 pm

So war das aber nicht gedacht Sie Flegel! Ich möchte sofort meine Uhr wieder haben! Ich fordere Sie zu einem Duell!

    Yugi Muto · August 21, 2019 um 6:03 pm

    Hast du überhaupt ne Duel-Disc?!

Anonyme Elfe · August 22, 2019 um 9:51 am

Daher kam der Knutschfleck…

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